Dezentrales, autarkes Netzstabilisierungsgerät
Die Initiative „Laufenburg“ der Tirron GmbH beschreibt ein lokal arbeitendes Steuer- und Schaltgerät zur netzspannungspriorisierten, statistisch adaptiven Regelung dezentraler Verbraucher und Erzeuger.
Im Unterschied zu zentral gesteuerten Smart-Grid-Architekturen basiert das System auf einer vollständig lokalen Mess-, Analyse- und Entscheidungslogik. Es arbeitet ohne Internetverbindung, ohne Funkkommunikation und ohne externe Steuerbefehle.Für Netzbetreiber
Informationen speziell für Netzbetreiber.
1. Systemarchitektur
Das System besteht aus drei funktionalen Hauptmodulen:
- Messteil
- Statistische Auswerteeinheit
- Leistungs- und Schaltmodul
Alle Komponenten sind physikalisch gekoppelt und lokal integriert.
2. Messtechnik
2.1 Spannungsmessung
Erfassung:
- Dreiphasige Netzspannung (L1, L2, L3)
- 5-Minuten-Mittelwertbildung (U5Min)
- 24-Stunden-Mittelwertbildung (U24h)
- Berechnung der Standardabweichung (σ)
Die Tageswerte (288 Messpunkte pro Tag) werden wochentagsspezifisch gespeichert (7-Datei-System). Dadurch entsteht ein adaptives Referenzmodell, das typische Last- und Erzeugungsverläufe berücksichtigt.
2.2 Frequenzmessung
Messfenster:
- 40,96 Sekunden
- Sollwert: 2048 Nulldurchgänge
Referenztakt:
- Temperaturstabilisierter Quarz
- Optional Funkreferenz
Die gewählte Fensterlänge ermöglicht eine hochauflösende Frequenzbewertung bei gleichzeitig robuster Mittelwertbildung.
3. Statistische Auswertung
Die Auswertung basiert auf einer Gauß-Verteilungslogik.
Verglichen werden aktuelle Istwerte mit:
- U24h
- ±0,5σ
- ±1σ
- ±2σ
Die Entscheidungspriorität ist spannungsgeführt. Die Frequenz dient als sekundäres Kriterium.
Begründung:
Dezentrale Leistungen im kW-Bereich beeinflussen die Netzfrequenz nur gering, während die Spannung lokal maßgeblich für Leitungs- und Transformatorbelastung ist.
4. Schaltlogik
4.1 Nulldurchgangsschaltung
Schaltvorgänge erfolgen:
- im Spannungsnulldurchgang (Ein/Aus)
- im Stromnulldurchgang bei induktiven Lasten
Dadurch werden:
- Einschaltstromspitzen minimiert
- Oberschwingungsbelastungen reduziert
- zusätzliche Netzstörungen vermieden
4.2 Asynchrone Steuerung
Jede Einheit arbeitet mit eigener Zeitbasis. Dadurch entstehen keine Gleichzeitigkeitseffekte bei großflächiger Installation.
5. Gerätegruppenstruktur
Das System unterscheidet zwei Hauptgruppen:
5.1 Gruppe A – Stromerzeuger
Beispiele:
- Biogasanlagen
- KWK-Anlagen
- Notstromaggregate
- USV-Systeme
- Pumpspeicher
- Elektrolyse-/H2-Systeme
Generator-Synchronisierung
Integrierte Synchronisiereinrichtung mit:
- Spannungsdifferenzprüfung
- Frequenzdifferenzprüfung
- Phasenlagenabgleich
- Stromüberwachung nach Zuschaltung
5.2 Gruppe B – Stromverbraucher
Beispiele:
- Boiler
- Speicherheizungen
- Wärmepumpen
- Gefrierschränke
- Ladegeräte >20 kWh
- flexible Industrieprozesse
Charakteristik:
- Nutzung vorhandener thermischer oder elektrischer Speicher
- zeitlich begrenzte Abschaltungen
- adaptive Wiedereinschaltlogik
6. Sicherheits- und Systemmerkmale
- Vollständig lokal arbeitend
- Keine Cloud-Anbindung
- Keine Funkmodule
- Drahtgebundene Parametrierung
- Verplombbare Einstellungen
- Verzögertes Wiedereinschalten nach Netzausfall
- Manipulationsresistente Systemstruktur
7. Energetische Wirkung
Durch die lokale Spannungspriorisierung werden:
- Ortsnetze entlastet
- Transformatoren thermisch geschont
- I²R-Verluste reduziert
- Spannungsschwankungen gedämpft
- Spitzenlastanforderungen reduziert
Die Wirksamkeit steigt mit zunehmender Anzahl installierter Einheiten, bleibt jedoch auch im Einzelfall wirksam.
8. Abgrenzung zu Smart-Grid-Architekturen
Konventionelle Systeme:
- Zentrale Datenerfassung
- Cloud-basierte Steuerung
- Hoher Kommunikationsaufwand
- Synchronisierte Großschaltungen
„Laufenburg“:
- Dezentrale Einzelintelligenz
- Keine externe Kommunikation
- Statistisch adaptive Referenzbildung
- Keine Gleichzeitigkeitseffekte
9. Skalierbarkeit
Das System ist technisch sinnvoll einsetzbar ab kleinen Leistungen (≈ 1 kW).
Durch die modulare Struktur ist eine Integration in:
- Zählerschränke
- Schaltschranklösungen
- Erzeugeranlagen
- Verbrauchersysteme
möglich.
10. Entwicklungs- und Prüfstatus (offen zu definieren)
Für die technische Weiterentwicklung sind folgende Punkte vorgesehen:
- EMV-Prüfung
- Netzkonformitätsprüfung
- CE-Bewertung
- Feldversuche
- Normative Einordnung (VDE/EN)
- Wirtschaftlichkeitsanalyse